Aliens are temporary
© Stefanie Rau / operative.space

Aliens are temporary

Eine mutierende Erzählung

Aliens are temporary – eine mutierende Erzählung lädt dazu ein, in der Begegnung mit multiplen Seinszuständen und empfindungsfähigen Materiekonstellationen über plurale Welten nachzudenken. In der Vorstellungswelt des „Aliens“ verbünden sich Fiktion und Andersartigkeit, um die flüchtige und kontextabhängige Dimension der Alterität zu betonen. Das Mutieren beschreibt schwer greifbare, unbestimmte Zwischenzustände des Daseins, die ständig zu beginnen, aber nie richtig zu enden scheinen. Das Mutieren erinnert uns ebenso daran, dass Leben sich stets im Prozess, in Bewegung und im Austausch vollzieht; Leben ist nicht, was ist, sondern was passiert. Unser vergängliches Märchen hat nicht nur einen, sondern mehrere Anfänge und unterläuft so die narrative Logik der Geschichtsschreibung, zahlloser Erzählungen – und Ausstellungen. Die verschiedenen Einstiege (ko)existieren nebeneinander und erzeugen eine materielle Geschichte, in der reine Präsenz und physische Beziehungen auf einer Stufe mit Worten und Diskursen stehen. Durch die organische Dimension des Denkens zeigt der Instinkt den Weg durch die Theorien. Die fragmentarische Vielfalt ungezählter Fiktionen und all der in ihnen entstehenden (un-)möglichen Welten erzeugt auch Widersprüche, die in dieser kollektiven Erzählung willkommen sind.

Im Sinne einer ethischeren Verteilung vom Wert des Lebens und des Lebens selbst distanziert sich Aliens are temporary von einer anthropozentrischen Sicht, die nicht nur einen bestimmten Typus Mensch in den Mittelpunkt der Wirklichkeit rückt, sondern die Welt einer Hierarchie unterwirft. Das Projekt versucht sich im Zwischenraum eines Zusammenlebens zu situieren, in dem einige der Grenzen zwischen „uns“ und den „Anderen“ bewusst verschwimmen sollen. Wenn wir uns der engen Beziehungen bewusst werden, die alle Lebewesen miteinander verknüpfen, und lernen, lebendige Organismen als Systeme permanenter Wechselwirkungen zu verstehen, kann sich im Format der Ausstellung ein Raum öffnen, in dem Präsenzen, Objekte, Praktiken und Gestalten, die einander fremd erscheinen mögen, zu materiellen und geistigen Kompliz:innen werden. Da „wir“ und die „Anderen“ instabile und sich wandelnde Begriffe sind – mit ihren jeweiligen Stärken und Verletzlichkeiten –, will Aliens are temporary auch das Medium der Ausstellung verfremden und dadurch in Frage stellen. Diese Ausstellung ist provisorisch und entwickelt sich ständig fort, sie nähert sich damit der Unmöglichkeit an, eine Realität selbst dann als etwas Ganzes zu erfassen, wenn wir aktiv an ihr beteiligt sind. Wir beharren auf der Schwelle zum fremden Leben und staunen dabei über die Anders-Weise.

Aliens are temporary schafft ein Ökosystem für Künstler:innen, die sich mit alternativen (Kosmo-)Visionen beschäftigen und in der Auseinandersetzung mit Anderssein und Alterität neue Körper, Identitäten und Lebensweisen in der Welt schaffen. Ihre Arbeiten verbinden verschiedene Wissenspraktiken und schnorren sich Experimentelles, Sinnliches, Haptisches und Ästhetisches von der Kunst. Sie verknüpfen New Materialism, Biologie, Magie, Soziologie, Sound-Fiction, Posthumanismus und Science-Fiction mit spekulativen, vitalistischen und queerfeministischen Perspektiven und verleihen diesen Diskursen eine körperliche Präsenz.

Aliens are temporary – eine mutierende Erzählung durchläuft vier Mutationen und präsentiert eine ihrer Gestalten in der Kunstbrücke am Wildenbruch, die sich zu den drei Mutationen im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien gesellt. Auf diese Weise wuchert das Projekt von einem Ort zum nächsten fort, und über die Entfernung entsteht ein gemeinsamer, intimer Raum. Mit jeder Mutation bevölkern weitere Kunstwerke den zunächst kargen und nur minimal bestückten Ausstellungsraum, wodurch sich sukzessive neue Objektkonstellationen und Ökologien entwickeln. Diese aus einer Unzahl von Wesen und Welten gesponnene materielle Erzählung veranschaulicht, dass sich die Bedeutung der Dinge mit ihrem Kontext mehrt, mindert und verändert. Jede Mutation von Aliens are temporary geht mit einem literarischen Text einher, der sich von den Exponaten inspirieren lässt, die das Ereignis ermöglichen. Sie erweitern den Kreis der kuratorischen Stimmen und unterstreichen die Bedeutung der Dichtung für die Auseinandersetzung mit der Realität. Ein öffentliches Begleitprogramm von becomings mit Vorträgen, einem Lesezirkel, einem Screening, einer Hörsession, einem Gang durch den öffentlichen Raum und einer Kontextinterferenz wird die Lebensgeister der vier Mutationen zusätzlich anfachen. Mit diesem Projekt begrüßen wir euch zu einem Märchen, das folgendermaßen beginnen könnte: „Es war vielmals“.

Ausstellung 7. Mai – 24. Juli 2022

Kuratiert von Sonia Fernández Pan, Sylvia Sadzinski und Anaïs Senli

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler

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