• 20.01.–14.03.2027
  • Ausstellung · Vorschau
Eine Alge schwimmt unter Wasser, von oben strahlt duch die Wasseroberfläche Licht auf sie hinab
© Yuki Jungesblut

Yuki Jungesblut

Superalge

Superalge, 2019/2025

Superalge setzt zum Sprung an. Berlin in 100 Jahren?
Eigentlich ist diese Superalge ein Seetang.

Aufs Wasser starren

Wenn man über das Wasser schaut, am Meer vorzugsweise, gibt es da diesen Weitblick, der den Kopf freimacht, den Atem zurückholt und der die Gedanken fliegen lässt. Aber manchmal, wenn man auf das Wasser starrt, ohne diese Horizontlinie, nehmen diese fliegenden Gedanken eine andere Gestalt an, und während man sinniert – über das Leben oder über die Zukunft – kann es passieren, dass man – unverhofft – abtaucht.

Und so trifft man auf die große Unterwasserwelt, mit ihrer Flora und Fauna. Und – auf diese Superalge, die eigentlich Seetang ist und zudem in dieser speziellen Art eher im Nordwestpazifik zuhause und weniger in den Flüssen Mitteleuropas. Aber. Trotzdem. Toll. Diese Begegnung. Unter Wasser. In den reißenden Stromschnellen wiegen sich die Seetangwälder, wild und wesenhaft. Und unser Exemplar hier setzt gleich zum Sprung an, könnte man meinen. Und – noch ein Sprung, so kommt er nach Berlin. Wird transponiert. Aber was macht er hier?

Auch wenn man hier in Berlin aufs Wasser starrt, und wenn es nur der in steinerne Begrenzungen gepresste Überrest der Spree ist oder einer der verbliebenen Kanäle, drängt sich die Frage auf – wie sieht es da unten aus? Was findet sich da unter der Oberfläche? Und wie wird es hier in Zukunft aussehen? Mit der Erderwärmung wird der Meeresspiegel steigen. Wäre Berlin dann auf einmal am Meer? Oder wäre es, Atlantis gleich, gar versunken? Vielleicht enttäuschend: Nach gegenwärtigen Prognosen, würde das in diesem Jahrhundert, eher nicht passieren. Berlin, heute so – zu – fern vom Meer. Aber, wohlgemerkt, auch hier wird es dann unter Wasser mit Sicherheit anders aussehen.

Aber starren wir noch etwas mehr aufs Wasser und kommen so zurück ins Heute. Und da kommt es einem in den Sinn, dass es natürlich auch eine Möglichkeit wäre, der Erderwärmung etwas entgegenzusetzen. Und da sind diese Algenwälder keine schlechte Sache. Rettet den Kelp, rettet das Klima. Superalge ahoi.


Yuki Jungesblut erkundet die Grenzgebiete zwischen Fiktion, Imagination und Realität mithilfe von Text, Installation, Film, performativen Elementen und vor allem Fotografie als Notiz und Kontemplationshilfe. In ihrem Bestreben, Festgefahrenes zu unterwandern, richtet Jungesblut ihr Interesse auf Schwellenphänomene und -zustände, das Unvollkommene, Ambivalente und Hybride. Dabei setzt sie sich mit Erinnerungsbewegungen und kollektivem Gedächtnis auseinander, der Konstruktion von Emotionen, sowie der Färbung der Wahrnehmung durch schon bestehende Erzählungen.

Ihr als Freestyle Research bezeichnetes Vorgehen folgt einem emanzipatorischen Ansatz und vermittelt zwischen der Analyse gesellschaftlicher Konstellationen, narrativen Strukturen und ästhetischem Spiel, um eine subjektive, poetische und manchmal verschrobene Sicht der Dinge zu artikulieren.
In ihren installativen Arbeiten schafft sie materielle Gedankenräume, die spezifische Fragestellungen zu Assoziationsfeldern öffnen, in denen Beobachtungen, Verschiebungen und Übersetzungen zusammenspielen und das Implizite, das Untertriebene und das Komische die Betrachtenden auf ihre eigenen Entdeckungs- und Verständnisreisen einladen.

Kuratiert von Uwe Jonas

Teilnehmende Künstler:innen
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